Ein Erfahrungsbericht aus Sicht einer pflegenden Angehörigen
Wie hast du die ersten Wochen mit dem neuen Assistenzhund erlebt?
Die ersten Wochen mit Leo waren ehrlich gesagt ganz schön turbulent. Auch wenn wir uns gut vorbereitet hatten und viele Pläne gemacht wurden – ME/CFS ist eine sehr besondere Erkrankung. Da kann selbst das beste Konzept plötzlich wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Als Leo Mitte April bei uns einzog, war das ein freudiger Moment – aber auch eine riesige Umstellung. Er hatte eine solide Grundausbildung und erste Assistenzaufgaben bei den Helfenden Pfoten kennengelernt. Die Einarbeitung als zukünftiger Assistenzhund hatte bereits im September des Vorjahres begonnen. Dennoch war der tatsächliche Einzug ein bedeutender Schritt für uns alle.
Plötzlich war da ein weiteres Lebewesen, das ebenfalls Sicherheit, Struktur und Verlässlichkeit brauchte – zusätzlich zu allem anderen. Ich fühlte mich anfangs ehrlich gesagt überfordert.
Gab es Momente, in denen du gezweifelt hast?
Ja, absolut. In der ersten Trainingswoche lief fast nichts rund. Das Wetter war nass und kalt, mein Partner hatte einen Crash – und Leo und ich waren beide völlig überfordert. Wir haben pflichtbewusst am Training teilgenommen, aber innerlich war ich frustriert.
Erst als wir wieder zu Hause waren und unser Alltag langsam zurückkehrte, hat sich vieles gefügt. Die Routinen, die Spaziergänge – wir haben angefangen, uns gegenseitig zu vertrauen. Und ich habe gelernt, loszulassen.
Was hat sich seitdem verändert?
Leo ist inzwischen ein fester Bestandteil unseres Alltags. Er begleitet meinen Partner zu Terminen und entlastet mich ganz spürbar. Gleichzeitig ist er mein treuer Freizeitbegleiter – und oft auch mein Mitverschwörer, wenn es darum geht, Tobias sanft in eine wohlverdiente Pause zu schicken.
Manchmal ist Leo sogar schneller als ich: Dann legt er sich zu Tobias und sorgt dafür, dass wirklich Ruhe einkehrt. Und wenn mir selbst alles über den Kopf wächst, steht Leo mit kleinen Sorgenfalten im Gesicht vor mir – als wollte er sagen: „Jetzt ist Zeit für eine Pause zu dritt.“
Wie würdest du die ersten drei Monate insgesamt beschreiben?
Es waren drei intensive Monate – anstrengend, ja, aber auch voller kleiner Fortschritte und schöner Momente. Heute können Tobias und Leo auch ohne mich kleinere Ausflüge machen, zum Beispiel zum Wochenmarkt. Und an anderen Tagen tobt Leo ausgelassen mit seiner Hundefreundin Fine durch die Natur.
Ich möchte ihn nicht mehr missen. Mit seinem liebevollen, ruhigen Wesen bringt er Ausgeglichenheit und Fröhlichkeit in unser Leben. Und er schenkt uns beiden etwas sehr Wertvolles: Vertrauen und gemeinsame Entlastung.
Und wie geht es für euch weiter?
Inzwischen – es ist Juli – ist Leo offiziell als Assistenzhund nach der Assistenzhundeverordnung (AHundV) anerkannt. Ein bedeutender Meilenstein für uns alle. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt – mit Leo an unserer Seite.
Wichtig zu wissen:
Dieser Beitrag informiert allgemein. Für konkrete rechtliche Fragen wende Dich bitte an eine Fachstelle oder einen Rechtsberater.
Autorin: Katharina Küsters